Ich komme zur Ruhe, wie komme ich zur Ruhe?

Ich habe heute meine letzte Seminararbeit für dieses Semester fertiggestellt. Nun bleiben mir noch knapp zwei Wochen, bis das nächste Semester losgeht. Man würde denken, es würde sich ein Gefühl der Erleichterung in mir breitmachen, aber es passiert genau das Gegenteil.
Ich fühle mich seltsam, ich bin erschöpft, ausgelaugt, aber ich möchte nicht zur Ruhe kommen. Ich habe Angst davor, was ich in mir entdecke, wenn ich wirklich zur Ruhe komme. Seit mehr als einem Jahr befinde ich mich im ständigen Stress, egal ob es das Studium, die Familie oder Freunde sind. Ich kümmere mich um jeden und alles außer um mich selbst. Ich fahre durch Deutschland und Europa, um Freunde zu besuchen. Ich laufe weg, ich laufe weg vor dem, was auch immer auf mich zukommt, wenn ich einfach mal stehen bleibe und schaue, wie es mir geht. Was die Zeit, in der ich gerannt bin, an Wunden hinterlassen hat.
Ich habe immer alles hingenommen, ich habe alles heruntergeschluckt, es abgewunken und weg gelächelt. Ich habe nichts an mich herangelassen, ich versuche, mich von einem Typen zu distanzieren, weil ich den Schmerz des Verlustes nicht noch einmal spüren möchte. Gleichzeitig überlege ich, ihm zu schreiben, um mit ihm die Nacht zu verbringen, nur damit ich dieses Gefühl nicht mehr fühlen muss, das ich gerade fühle.
Ich möchte es irgendwie zum Schweigen bringen, manchmal rauche ich, um mir dann Vorwürfe wegen des Rauchens zu machen. Oder ich kaufe mir etwas, fühle mich dann aber schrecklich, weil ich ein Konsumopfer bin.
Ich bin überfordert mit mir und meinen Gefühlen und weiß nicht, wie ich aus diesem Kreislauf herauskomme. Ich befinde mich in meinem eigenen Hamsterrad und habe Angst davor, was passiert, wenn es zum Stillstand kommt.
Vielleicht laufe ich noch ein paar Runden, bis ich den Ausweg gefunden habe, weil ich nicht weiß, wo und wie er zu finden ist. Denn eigentlich habe ich keine Kraft mehr, um zu laufen.

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